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Die Burgbernheimer Kirchenburg

Die Kirchenburg  mit dem Torhaus (Torturm) von 1545 und dem "Seilersturm"

Was für Städte die Stadtmauer bedeutete, waren für Dörfer Kirchenburgen, bzw. befestigte Friedhöfe: Zufluchtstätte in Zeiten der Bedrohung. Die Befestigung von Kirchhöfen setzte herrschaftlichen Konsens voraus. Mit der Befestigung von Kirchen einschließlich der Friedhöfe begannen die Bewohner vieler Dörfer in Franken im späten Mittelalter, als die Macht des Kaisertums darnieder lag und die Fürsten mit rücksichtsloser Gewalt nach Vergrößerung ihres Herrschaftsgebietes strebten. Das Land des Gegners wurde verwüstet, vor allem wurde Getreide und Vieh geraubt.

Die Burgbernheimer Kirchenburganlage mit dem Torhaus von 1545 gehört heute zu den großartigsten derartigen Anlagen und  ist Wahrzeichen des Ortes. Wahrscheinlich entstand sie unter markgräflicher Herrschaft Mitte des 15. Jhs. (Markgrafenkriege). Die gelegentlich genannte Jahreszahl 1102 ist unhaltbar. (Diese Jahreszahl soll im Fundament des Vorgängerbaus der Johanniskirche eingemeißelt gewesen sein.) 

Laut Burgbernheimer Chronik von Superintendent Markus Friedrich Schmidt (1744/50) (und allen darauf aufbauenden Chroniken einschließlich Malern) hatte sie ursprünglich umlaufende doppelte Mauern und  vier Ecktürme, von denen heute nur noch der Nordostturm, der "Seilersturm" steht. Der Wallgraben am Berghang auf der Südseite wurde erst 1962 eingeebnet. Vom Südostturm zeugt untenstehendes Bild. Archivalisch belegt ist der Zwinger, d.h. ein Freiraum zwischen zwei Mauern, der zu Beginn des 17. Jh. zur Friedhofserweiterung benutzt wurde. 

Anmerkung: Ob es tatsächlich vier Ecktürme gab, ist zu bezweifeln. Als der Chronist Schmidt 1744 nach Burgbernheim kam, fand er nur den heute noch erhaltenen Nordost-Turm vor. Von der Zeichnung seines Amtsvorgängers (s. Bild unten) kannte er den kurz vorher abgebrochenen Südostturm. Symmetriegründe mögen ihn zu der Annahme von vormals vier Ecktürmen veranlasst haben. Ebenfalls dürfte damals eine innere Mauer nur auf der Ostseite vorhanden gewesen sein. Die  Schmidtsche Chronik erweist sich in manchen Punkten als unzuverlässig, wie bereits Peter Hupfer im Heimatbuch vermerkt hat. Wo Schmidt Quellen kennt, nennt er diese; wo nicht, lässt er seiner Fantasie freien Lauf, ohne dies zum Ausdruck zu bringen. 

Stand hier die Burg, das im Jahr 1000 erwähnte "castellum Berenheim"?

Ebenfalls in der Chronik von Superintendent M. F. Schmidt ist an anderer Stelle lediglich von dem hinteren, bzw. dem obereren Turm die Rede, der die Funktion eines Wachtturmes hatte und frühzeitig baufällig wurde. Vermutlich handelt es sich wie bei der inneren Mauer um Reste der im Jahr 1000 erwähnten Burg, des castellum Berenheim, von dem es anderweitig keinerlei Spuren gibt.

In Schnizzers Chronik der Stadt Neustadt a.d. Aisch (1708) heißt es in der Abhandlung über Burgbernheim, dass vor der Errichtung der Kirche hier die Burg gestanden habe, wovon im hinteren Teil noch deutliche Spuren vorhanden seien. Ähnlich zitiert M. F. Schmidt in seiner Chronik (1744/50) seinen Amtsvorgänger, Pfarrer Grüner, dieser habe berichtet, dass an der Stelle der Johanneskirche früher ein Schlösslein gestanden habe. 

Die Aufgabe des baufälligen hinteren Turms als Wachtturm übernahm der 1545 gebaute Torturm.

Die Kirchenburg 1718. 
Diese kolorierte Zeichnung des damaligen Pfarrers Grüner zeigt die Situation vor der Renovierung des Torturms im Jahr 1723. Links der noch gut erhaltenen Südostturm, der sich vollkommen vom heute noch erhaltenen Seilersturm (Nordost) unterscheidet. Über dem Torbogen sind die Öffnungen für die Ketten der Zugbrücke zu erkennen. Rechts vom Torhaus die eingefallene Mauer, davor beschriftet: "Kirchgraben" und "der Wall." Bei der Detailtreue der Zeichnung fällt auf, dass im hinteren Bereich kein Turm angedeutet wird. 
Ganz links das Pfarrhaus vor der im Jahr 1763 erfolgten Renovierung. Auf dem Kapellenberg die Ruine der St. Wolfgangskapelle und der zu ihr hinaufführende Weg.

 

Linkes Bild:  Stilisiert auf einer alten  Karte  die Kirchenburg mit 2 Ecktürmen, noch ohne Torturm. 
Oben am Berg die St. Gangolfs-(Wolfgangs-)
Kapelle.

Rechtes Bild: 
Torturm- Schlussstein:
 G(eorg) W(ilhelm) M(arkgraf) Z(u) B(randenburg), 
Hohenzollernwappen und Jahreszahl 1723
erinnern an die Renovierung in jenem Jahr
 

 Zeitzeugenberichte

 

Archivalische Nachrichten über die Kirchenburg (Stadtarchiv Burgbernheim)

1618 beschließt der Burgbernheimer Rat, für die Erweiterung des Friedhofs den Zwinger zu nutzen [Gerichtsbuch B4]

1670 erhält der Maurer 12 Gulden für Arbeiten an der eingegangenen äußeren Kirchmauer [R39]

1679 fallen 281 Gulden Reparaturkosten an für die innere Kirchenmauer [R43]

1690 fiel ein Stück der Kirchhofmauer ein [Chronik Schmidt, 1744/50]

1711 ist die innere Kirchhofmauer gegen die Caplaney eingestürzt, auch der Thurm (Torturm) beschädigt, wieder erbaut durch Zimmermeister Neumeister  [Chronik M.F. Schmidt 1744/50] Siehe 1723

1715 erhält der Maurer 15 Gulden für die Reparatur der an der sogenannten Zwingersmauern stehenden, an Dächern sehr eingegangenen und baufällig gewordenen Thürme ... [R79]

1718 ... Reparaturkosten für den in großer Baufälligkeit stehenden Kirchners Thurm (= das Torhaus) [R82]

1723 kommt der Landeshauptmann aus Neustadt, um den reparierten Kirchnersturm zu besichtigen [R82]

1724 wird die Stiege am Gänsthurm erneuert [R88]

1725 fallen Baukosten an für die Kirchhoferweiterung und Mauerreparatur [R89]

1743 ist die Rede vom Kirchnersbrunnen im Zwinger [R107]

1746 wurde das Getreidehaus oben im Kirchhof repariert, der obere Thurm, wie er im Pfarrbuch genannt wird... war der Wachtthurm zu Kriegszeiten ... der Neuner, vorher die Frühmesse... [Chronik M.F. Schmidt 1744/50]

1747 20 Gulden Reparaturkosten für das Getreidehaus im Zwinger [R111]

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Quellen:

[R39-111] Stadtarchiv Burgbernheim, Bürgermeisterrechnungen