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Zuflucht in der Kirchenburg 

Burgbernheim im 1. Markgrafenkrieg (1449) und im Dreißigjährigen Krieg

Zwei Berichte über  kriegerische Auseinandersetzungen, bei denen die Bevölkerung in die Kirchenburg flüchtete, sind überliefert. Sie zeigen das Leiden der Bauern in Burgbernheim und Umgebung.

Vorgeschichte: 1449, im sog. 1. Markgrafenkrieg bekriegte Markgraf Albrecht Achilles u.a. die Reichsstadt Nürnberg. Als er dort nichts ausrichten konnte, zog er gegen das mit Nürnberg verbündete Rothenburg. Die Rothenburger verschanzten sich hinter ihren Mauern, worauf die Angreifer die umliegenden Ortschaften der Landwehr plünderten. Aus Schweinsdorf, Hartershofen, Neusitz und Gattenhofen trieben sie das Vieh nach Colmberg. Nach Abzug der Markgräflichen Truppen rächten sich die Rothenburger.

Folgenden Bericht  hat der Rothenburger Bürgermeister Wernitzer (gest. 1546) in seiner Chronik überliefert:

„Sonntag vor Magdalena (22.Juni) ist Kunz Degen von uns bei Nacht zu den Windsheimern geschickt worden, ihnen zu sagen, daß man willens sei, am Montag Burgbernheim abzubrennen und das Vieh zu nehmen. Derselbe Kunz Degen ward gefangen und gen Bernheim gebracht und in einen Stock geschlagen, darinnen vorher zwei Boten von Nürnberg saßen. Also kamen am Montag die Unseren zu Roß und Fuß, brannten Bernheim ab, nahmen daselbst Kühe, auch Pferde und Schafe bei 800 Haupten (Stück). Alsdann waren auch die Bauern im Kirchhof und wehrten sich daraus mit Büchsen und Armbrüsten, daß sie den Kirchhof behielten; denn man war nicht willens, den Kirchhof zu stürmen, auch wurden zwei Bauern gefangen.
Am Dienstag darnach kamen der Stadt Zusatz (Verstärkung) von 206 Pferden. Unter derselben war Stephan Hagner von Augsburg als Hauptmann mit 20 Pferden. Dieser ritt mit anderen aus Rothenburg Donnerstag zu Mitternacht und brannten ab: Binzwangen, Stettberg, Hürbel, Frommetsfelden, Buch, Geslau, Kreuth und nahmen daselbst Kühe, Schafe, Pferde, Schweine und Plunder. Am gleichen Donnerstag verbrannten die Stadttrabanten Burghausen und den Weiler Ermetzhof oberhalb der Bergler Steige und nahmen das Vieh daselbst und fingen die Bauern.

Am Montag Laurentii (10. August) 1449 kamen unsere Diener zu Roß und zu Fuß gen Welbhausen, gewannen den Kirchhof, fingen etliche Bauern und verbrannten das Dorf gänzlich, nahmen auch das Vieh vor Uffenheim und daselbst in den Dörfern umher zu Wallmersbach, Brackenlohr und Adelhofen und führten es nach Rothenburg. Anno 1449 am Mittwoch nach Matthäi (21. September) wurden die Unsrigen gen Burgbernheim geschickt. Sie brannten das Dorf ab , rannten in die Weingärten, fingen dort der Bauern siebzehn, nahmen bei 600 Haupt Vieh weg, plünderten das Dorf gänzlich aus und branntschatzten die Einwohner um 1400 Gulden. Ebenso geschah es zu Ottenhofen und in anderen markgräflichen Dörfern der Umgegend. Alles geraubte Vieh brachten sie gen Rothenburg; hier kam soviel Vieh zusammen, daß man eine Kuh nicht mehr als um drei Ort, als um 45 Kreuzer bot und ein Pferd um ein Pfund Heller und zwanzig Pfennige, kaufen konnte. Endlich wandten sich die Rothenburger am Freitag vor dem Michaelstag (29. September) gen Colmberg, plünderten und verbrannten es, raubten 200 Pferde, 300 Kühe, 150 Schweine und 200 Schafe; außerdem wurden vierzig Wägen mit Betten und Hausrat beladen und der ganze Raub wiederum nach Rothenburg geschafft.“

Laut Nürnberger Chronik sollen die Nürnberger, Windsheimer und Rothenburger bis Crailsheim an die 70 Dörfer abgebrannt haben.

So führten die Städte diesen Krieg. Den Markgrafen wollte man bekriegen – das unschuldige Landvolk musste leiden. Wo blieb der Markgraf? Dieser war zu jener Zeit zu sehr mit Nürnberg beschäftigt und konnte seinen Untertanen nicht zu Hilfe kommen. Nach einem kurzen Gegenraubzug der Markgräflichen gegen die Rothenburger antworteten diese mit weitern Raubzügen ihrerseits.


Ein weiteres Kriegsereignis aus dem Dreißigjährigen Krieg, bei dem die Burgbernheimer in der Kirchenburg Zuflucht suchten, beschrieb Kaplan Röll. 

Vorgeschichte: Nach der verlorenen Schlacht bei Breitenfeld bei Leipzig  gegen die Schweden am 17. September 1631  zogen sich die kaiserlichen Truppen unter General Tilly nach Franken zurück. Beim Fouragieren, der Nahrungsbeschaffung, gingen sie in den Dörfern und Städten mit großer Brutalität vor:

„Sonntag den 30. Oktober 1631 fing die Plünderung auch hier an, dann eine kaiserliche Partei, 200 Mann stark, fielen um 9 Uhr vormittag ein, da alles vorhabende Wehren umsonst war, denn es hielten bei etliche 20000 in der Höhe bei Hochbach, da die Bürgerschaft sich erstlich frisch hielte, da abends zuvor 14 Reiter herein wollten und nach unserem Schultheißen schossen und die Unsrigen einen Leutnant erschossen, flohen ich, Caplan Leonhard Röll, neben Herrn Pfarrer Girsch samt unseren Weib und Kindern neben andern viel hundert Personen, mehrenteils Weib und Kindern und kaum 10 Burgern in die Kirche: Da kamen gedachte Soldaten haufenweise zur Kirchen, erstiegens mit Leitern und hieben die Tür auf, ließen die Aufziehbrucken ab, da geschahen von unsern Burgern vier Schuß von der hohen Mauern herab unter die Soldaten, haben aber keinen getroffen, die Soldaten aber, als sie den zweiten Schuß täten, erschossen außen am Laden im Tennen auf den Turm des Kirchners Georg Säcklers Weib Barbara, die ein Kind im Arm hatte, schossen ihr das Kinn und Maul hinweg, lag 9 Tage, wurde ohne Sang und Klang begraben, weil niemand da war, kein Schüler, Chor noch Chorrock.“

... Laut Röll starb Pfarrer Girsch am 2. Advent an den Folgen eines Beilhiebs.