Die Amis kommen - das Kriegsende 1945
Nachstehenden Bericht über die Ereignisse in und um Burgbernheim im April
1945 brachte die Windsheimer Zeitung vom 28./29. Mai
1992. Er beruht auf Berichten, die der damalige Verwaltungsbeamte Oberinspektor Karl Sigg und der
damalige
Bürgermeisters Hans Lehnbeuter 1951 niedergeschrieben haben. (Stadtarchiv Burgbernheim A 596).
Die Originalberichte können hier heruntergeladen werden:
Originalbericht
des damaligen Verwaltungsbeamten Oberinspektor Karl Sigg (PDF, 9 Seiten)
Originalbericht
des damaligen Bürgermeisters Hans Lehnbeuter (PDF, 8 Seiten)
BURGBERNHEIM — Im Frühjahr 1945 neigte sich der Zweite
Weltkrieg seinem Ende entgegen. Die alliierten Streitkräfte, die den Rhein
überquert hatten, drangen unaufhaltsam immer tiefer in das Herz Deutschlands
vor. Die zur Verteidigung angetretenen deutschen Truppen, hoffnungslos
unterlegen, kämpften mit dem Rücken zur Wand. In der ersten Hälfte des
letzten Kriegsjahres rückte die Front auch immer näher an den Marktflecken
Burgbernheim heran.
Um den 21. März herum setzte der Rückstrom der deutschen Fahrzeugkolonnen
ein, der bis zum 7. April anhielt. Weil es den Einheiten an Betriebsstoff und
Pferden mangelte, mussten seinerzeit viele Bauern ihre Pferdegespanne abgeben.
Die Wehrmachtskolonnen rumpelten teilweise Tag und Nacht durch den Ort. Nachdem
sich die deutschen Kampftruppen auf der Linie Ulsenheim - Gollhofen - Herbolzheim
festgesetzt hatten, wurden diese Dörfer fast völlig zerstört. Auch Uffenheim
kam nicht ungeschoren davon. Angesichts dieser Zerstörungen beschloss der
damalige Burgbernheimer Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Hans
Lehnbeuter, alles in seiner Macht stehende zu tun, um seinem Ort ein ähnliches
Schicksal zu ersparen. Entgegen eindeutiger Befehle ließ er an den
Ortseingängen keine Panzersperren anlegen und keine Schützenlöcher für
Panzerfaustschützen ausheben, sondern lediglich andeutungsweise Baumstämme,
Holzstöße und Steine aufschichten, die den Verkehr nicht weiter behinderten.
Im Raum Reichelshofen - Adelshofen -Schweinsdorf hatten Einheiten der Wehrmacht
Stellungen bezogen. Für deren Artilleriebespannungen mussten die Burgbernheimer
Landwirte weitere Pferde abstellen. Auch der gemeindeeigene Bulldog samt
Hänger, Fahrer Hans Zeller und Beifahrer Christof Baßler wurde vom Militär
requiriert. Die beiden Gemeindearbeiter trafen nach einiger Zeit wieder
wohlbehalten, aber ohne Traktor, in Burgbernheim ein. Auf Anordnung des
Bürgermeisters wurden sämtliche Unterlagen der Ortsgruppe verbrannt und die
Führerbilder, die Hitlerbüste sowie die Fahnen mit dem Hakenkreuz aus dem
Rathaussaal entfernt und auf dem Dachboden der Roßmühle eingelagert. Am
Ostersonntag, 1. April 1945 — die Amerikaner waren bereits in bedenkliche
Nähe gerückt —, rief Bürgermeister Lehnbeuter die Bürgerschaft auf, sich
um 20 Uhr zu einer öffentlichen Versammlung auf dem Marktplatz einzufinden.
Eine Stunde vor Beginn der Zusammenkunft unter freiem Himmel empfing er nie
Burgbernheimer Metzger, Bäcker und Einzelhändler im Rathaussaal und ersuchte
sie, im Lauf der nächsten Tage alle Lebensmittel auch ohne Marken abzugeben.
Auf dem Marktplatz gab Lehnbeuter den bedrückten Bürgern die allgemeine Lage
bekannt, forderte sie zur Besonnenheit auf und wies nachdrücklich auf die
Sinnlosigkeit jeglichen Widerstands hin. Dieser Aufruf war auch an die Adresse
von zirka 60 Burschen der Hitlerjugend (HJ) im Alter von 13 bis 17 Jahren
gerichtet, die mit ihrer Ausrüstung, darunter etwa 100 Panzerfäusten, im
Herrenkellerschulhaus Quartier bezogen hatten. Der Bürgermeister ordnete an, dass
Frauen und Kinder bei Fliegerangriffen oder Panzer- und Artilleriebeschuss in
den Felsenkellern Unterschlupf suchen sollten. Ferner legte er den Leuten nahe,
in den Gärten und öffentlichen Anlagen Splittergräben und Unterstände auszuheben.
Bis auf einen Gegenruf stießen die Ausführungen und Anordnungen des
Bürgermeisters auf den Beifall der Menge.
Lehnbeuter blieb standhaft
Zwei Tage später erschienen unangemeldet zwei Angehörige der Gestapo
(Geheime Staatspolizei) in Lehnbeuters Dienstzimmer, warfen ihre
Maschinenpistolen auf seinen Schreibtisch und stellten ihn wegen seines
Vorgehens zur Rede. Der Bürgermeister blieb standhaft und nahm seine
Anordnungen nicht zurück. Vielmehr gelang es ihm, seine ungebetenen Besucher
davon zu überzeugen, dass es seine Pflicht als Bürgermeister sei, für die
Sicherheit der Frauen und Kinder zu sorgen. Mit Sicherheit ersparte er so seinen
Mitbürgern schweres Unheil und vermied sinnloses Blutvergießen auf beiden
Seiten. Lehnbeuters Handlungsweise forderte zu diesem Zeitpunkt viel Mut, denn
nur zu oft wurden in diesen Tagen Männer und Frauen wegen weit nichtigerer
Anlässe von den Schergen der braunen Machthaber an Ort und Stelle kaltblütig
als „Vaterlandsverräter" aufgehängt oder erschossen.
Tieffliegerangriffe
Mit dem Näherrücken der Front steigerten sich die Tieffliegerangriffe
zusehends. Deswegen kam der Zugverkehr auf den Bahnstrecken im März und im
April fast vollständig zum Erliegen. Ein Personenzug wurde auf dem
Streckenabschnitt zwischen dem Bahneinschnitt des Himmelfahrtsbergs und dem
Bahnposten von acht Jabos (Jagdbomber) attackiert. Mehrere Tote sowie einige
Schwer- und Leichtverletzte waren die Folge. Ein weiterer Personenzug wurde auf
Höhe der Steinbrüche bei Hilpertshof von amerikanischen Maschinen mit Bomben
und Bordwaffen beharkt. Dieser Angriff forderte 20 Tote, zirka 60
Schwerverletzte und eine große Zahl Leichtverletzter. Die Piloten mähten auch
die aus den Waggons flüchtenden Zivilisten mit Garben aus ihren
Maschinenkanonen nieder. Schließlich hielt man auf der Strecke
Treuchtlingen-Würzburg nur noch einen eingleisigen Zugverkehr aufrecht. Auf dem
anderen Gleis wurden Güter- oder Personenzüge abgestellt, die des öfteren von
Jabos bombardiert wurden. Die Tiefflieger verschonten auch Fuhrwerke und
Kraftfahrzeuge nicht. Auf der Windsheimer Straße wurde ein Lastwagen in der
Nähe des Transformatorenhauses von einem Flugzeug angegriffen und mehrfach
getroffen. Die Insassen, die noch rechtzeitig im Straßengraben Schutz suchen
konnten, kamen mit dem Schrecken davon. Am 15. April wurde der achtjährige
Läutbube Wilhelm Klenk in der Rodgasse von einem Tiefflieger erschossen.
Der Volkssturm rückte aus
Auch in Burgbernheim stellte man eine Volkssturmkompanie auf, deren
Mitglieder ab Oktober 1944 bis Kriegsende im Rahmen sonntäglicher Übungen
militärisch ausgebildet wurden. Am Karsamstag des Jahres 1945 setzte sich ein
Aufgebot von 25 Burgbernheimer Volkssturmmännern nach Marktbergel in Marsch.
Sie trugen Zivilkleidung und waren mit alten Gewehren unterschiedlichsten
Kalibers ausgerüstet. Gemeinsam mit 15 Marktbergler Volkssturmmännern mussten
sie als „Stoßtrupp" eine Flakstellung bei der Kreuzung der Reichsstraße
13 (B 13) mit der Landstraße 2252 (B 470) besetzen, um dort den Feuerschutz
für ein weiteres Volkssturmaufgebot, nämlich die rund 60 Hitlerjungen, zu
übernehmen. Jeder Volkssturmmann erhielt zehn bis zwölf Schuss Munition. Die
Kinder und Jugendlichen sowie die alten Männer sollten mit Panzerfäusten und
alten Flinten die aus Richtung Uffenheim/Ochsenfurt gemeldeten amerikanischen
Panzer aufhalten. Glücklicherweise kam es zu keiner Feindberührung. Bei
Herannahen der Front setzten sich zahlreiche Männer und der Führer des
Volkssturmbataillons aus der Windsheimer Gegend in südöstliche Richtung ab.
Dadurch verloren der „Stoßtrupp" und die Hitlerjungen an der
Kreuzstraße jeglichen Kontakt mit der Führung. Auf Anordnung des örtlichen
Führers machten sie sich in Richtung Heimat davon.
Die ersten Panzer
Am Freitag, 13. April, wurden von Burgbernheim aus die ersten amerikanischen
Panzer gesichtet. Um die Mittagszeit näherten sich sechs Kettenfahrzeuge im
Schritttempo aus Richtung Buchheim und Schwebheim. Die Panzer umkreisten den
Abhang des Irrsbergs und schoben sich am Spätnachmittag etappenweise über die
Gemarkung Esselsee bis zur Brücke am Weikertswasen vor. Ein amerikanisches
Aufklärungsflugzeug kreiste ständig über dem Vorgebiet. Nachdem die Panzer
gegen Abend die Windsheimer Straße erreicht hatten, erschienen zusätzlich zwei
Panzerspähwagen auf der Bildfläche. 300 Meter vor dem Bahnübergang bezogen
die Amerikaner Kampfstellungen in Richtung Burgbernheim. Die beiden
Panzerspähwagen näherten sich mit aufgesessener Infanterie in schneller Fahrt
Burgbernheim. Bei der Ortseinfahrt Windsheimer Straße lief den Amerikanern der
Schmiedemeister Michael Eckert in die Arme, der gerade im Begriff war, seine
Feuerwehruniform in einer Feldscheune zu verstecken. Die US-Soldaten zwangen den
verdatterten Schmied kurzerhand, auf eines ihrer „Scout Cars" aufzusitzen
und ihnen den Weg zu zeigen. Vor dem Rathaus stoppten die Fahrzeuge, die
Infanteristen sprangen ab und umstellten das Amtsgebäude. Als sie sich davon
überzeugt hatten, dass sich niemand im Rathaus aufhielt, musste sie Eckert zur
Privatwohnung des Bürgermeisters führen. Lehnbeuter befand sich allerdings mit
seiner Familie in einem Splittergraben im Kellersgarten.
Festnahme des Bürgermeisters
Nachdem ihn der Schmiedemeister dort ausfindig gemacht und von der Lage in
Kenntnis gesetzt hatte, machte sich der Bürgermeister auf den Weg in Richtung
seines Hauses, wo er von den Amerikaner festgenommen wurde. Die Spähwagen
fuhren nebst Infanteristen und Bürgermeister zurück zur Kampfstellung. Nach
einer kurzen Lagebesprechung machten die Panzerfahrzeuge kehrt und rollten auf
der Windsheimer Straße in Richtung Reichsstraße 13. Bürgermeister Lehnbeuter
wurde nach Schwebheim in ein landwirtschaftlichen Anwesen gebracht, wo ihn ein
Offizier der US-Armee mit Hilfe eines Dolmetschers einem mehrstündigen Verhör
unterzog. Zwischenzeitlich hatten die Amerikaner die kriegsgefangenen Polen, die
in Burgbernheim als Landarbeiter eingesetzt wurden, aus ihrer Unterkunft im
ersten Stock des "Spritzenhauses" befreit und ihren Aufpasser gefangen
genommen. Kurz vor dem Eintreffen der Panzerspähwagen feuerten die Panzer
einige Granaten auf Burgbernheim ab. Dabei wurde der Landwirt Friedrich Wirth
nahe der Molkerei durch Granatsplitter getötet. Ein deutsches Geschütz, das
auf der Ermetzhöfer Höhe Stellung bezogen hatte, schoss über Burgbernheim
hinweg auf US-Truppenteile hinter Hochbach.
Gebirgsjäger aus Innsbruck gingen in Stellung
In der Nacht vom 13. auf den 14. April bezogen Einheiten eines schweren
Gebirgsjägerregiments aus Innsbruck Stellung im Bereich der Hauptkampflinie
entlang der Bahnlinie Treuchtlingen-Würzburg. Im Keller des Markgrafenbaus beim
Wildbad richteten die Gebirgsjäger einen Bataillonsgefechtsstand ein. Von dort
verlegten sie Feldtelefonleitungen zu den Kompaniegefechtsständen im Steinbruch
am Himmelfahrtsberg, im Henningerskeller und im Bahnposten oberhalb des
Rückertstals. Zum Schrecken der betroffenen Besitzer nistete sich auch ein Zug
Gebirgsjäger in verschiedenen Scheunen und Anwesen in Burgbernheim ein.
Burgbernheim unter Beschuss
Am Samstag, 14. April, rollten gegen 17 Uhr amerikanische Panzerfahrzeuge mit
aufgesessener Infanterie aus Richtung Mörlbach, Hochbach und Windsheimer
Straße auf Burgbernheim zu. Die Infanteristen saßen zirka einen Kilometer vor
der Ortschaft ab, schwärmten seitlich in Schützenlinie aus und bildeten so
eine geschlossene Angriffswelle. Da sie auf keinerlei Widerstand stießen, war
es für sie ein leichtes, von allen Seiten in Burgbernheim einzudringen. Bei dem
aus Richtung Windsheimer Straße anrückenden US-Verband befand sich
Bürgermeister Lehnbeuter. Er wurde bei Schmiedemeister Eckert abgesetzt. Die im
Ort befindlichen Gebirgsjäger ergaben sich den Angreifern widerstandslos. Auch
einige Wehrmachtsoffiziere, die sich zu diesem Zeitpunkt in Burgbernheim
aufhielten, wurden gefangen genommen. Während der Erstürmung durch die
Amerikaner wurde Burgbernheim von den Gebirgsjägern mit Granatwerfern unter
Feuer genommen. Beschädigte Gebäude und verletzte Zivilisten waren die Folge.
Bürgermeister Lehnbeuter, der bei seinem Verhör angegeben hatte, Burgbernheim
sei frei von deutschen Truppen, geriet bei den Amerikanern in ein schiefes
Licht. Obwohl er dem verantwortlichen Offizier klarzumachen versuchte, dass er
vom nächtlichen Eintreffen des Gebirgsjägerregiments schließlich nichts gewusst
haben könne, nahmen ihn die Amerikaner wieder mit nach Schwebheim. Am 17. April
brachte der Einheitsführer Lehnbeuter persönlich nach Burgbernheim zurück und
erlaubte ihm sogar bis auf weiteres seine Dienstgeschäfte auszuüben.
Unmittelbar nach der Teileroberung von Burgbernheim ließen die Amerikaner
durch den Amtsboten Georg Schmidt bekannt geben, dass sämtliche Waffen samt
Munition, Fotoapparate, Feldstecher und Hakenkreuzfahnen unverzüglich im
Rathaus abzugeben seien. Ferner müsse jedes Haus mit einem augenfälligen
Zeichen der Kapitulation in Form eines weißen Tuchs versehen werden. Noch
während die Leute diesem Befehl nachkamen, deckten die Gebirgsjäger
Burgbernheim erneut mit Granatwerferfeuer ein. Eine Granate krepierte auf dem
Marktplatz. Ein US-Soldat wurde getötet und einige seiner Kameraden schwer
verwundet. Nachdem alle Häuser durchsucht worden waren, erließen die
Amerikaner ein Ausgangsverbot.
Artillerieduell über die Dächer des Marktfleckens hinweg
Im weiteren Verlauf der Kampfhandlungen trugen Deutsche und Amerikaner über
die Dächer des Marktfleckens hinweg ein lebhaftes Artillerieduell aus. Es
erwies sich als ein wahrer Glücksfall für Burgbernheim, dass sich
Stabsoffiziere der Wehrmacht bei der Festlegung der Hauptkampflinie nicht für
den Kapellenberg, sondern für die Bahnlinie am Fuße der Frankenhöhe
entschieden hatten. Da der Ort nach der Gefangennahme der etwa 25 Gebirgsjäger
nur noch Zivilpersonen beherbergte, sahen die Amerikaner von einem Bombardement
aus der Luft ab. Ein Teil der Bevölkerung hatte in den Mühlen und in den
Felsenkellern Zuflucht gesucht. Dies war in beiden Fällen keine gute
Entscheidung. Die Mühlen wurden als erste Objekte vorn Feind besetzt und die
Keller, die als Kompaniegefechtsstände und Stützpunkte der Hauptkampflinie
dienten, lagen im Hauptfeld des Beschusses. Am Sonntag, 15. April, war
Burgbernheim wieder feindfrei. Die US-Einheiten hatten sich wieder in ihre
Ausgangsstellungen zurückgezogen. Doch um 17 Uhr kehrten sie zurück und
drangen bis zur Äußeren Bahnhofstraße vor. Dieses Mal brachten sie im Rathaus
nicht nur ihre Führungsstäbe unter, sondern richteten auch ein Hilfslazarett
und eine Verpflegungsstelle ein. Das historische Gebäude diente den
US-Streitkräften als Kommandozentrale für den Einsatz zur Eroberung und
Überwindung der Frankenhöhe in diesem Frontabschnitt. Das Sperrfeuer, mit dem
die deutschen Truppen den Markt erneut belegten, verursachte wiederum Sach- und
Personenschäden. In der Nacht vom 15. auf den 16. April beschossen die Amerikaner
die deutschen Stellungen aus allen Rohren. Ihre Gegner, die sich am
Himmelfahrtsberg, im Taubennest, am Kniebrecher, im Prösselbuck und in anderen
Gemarkungen der Burgbernheimer Flur eingegraben hatten, verfügten, wie sich
später herausstellte, über große Mengen Munition.
Sturm auf deutsche Stellungen
Am Montag, 16. April, setzte die US-Infanterie in den Nachmittagsstunden
konzentrisch von Burgbernheim, Steinach und Gallmersgarten aus zum Sturm
auf die deutschen Stellungen an. Die Gebirgsjäger lieferten den Angreifern ein
mehrstündiges heftiges Gefecht. Als die Übermacht immer erdrückender wurde,
gaben die Deutschen den Widerstand auf und zogen sich unter Zurücklassung von
Waffen und Ausrüstung in südlicher Richtung zurück. Damit hatte die US-Armee
den Steilabfall der Frankenhöhe überwunden. Nach viertägiger Unterbrechung
kam der amerikanische Vormarsch wieder in Fluss. Über einen längeren Zeitraum
hinweg rollten Tag und Nacht US-Konvois durch die Straßen von Burgbernheim in
Richtung Steige. Während der Kampfhandlungen erfolgte auch ein Bombenangriff
auf eine vermeintliche deutsche Stellung im Wäldchen beim Bahnposten. Dem
beherzten Bahnbediensteten Geißberger gelang es, einen Waldbrand zu verhindern.
Die tatsächliche Zahl der deutschen und amerikanischen Soldaten, die im Verlauf
dieser vier schicksalsschweren Tage ihr Leben lassen mussten, ist nicht bekannt [Siehe
unten].
HANS DIETHER HILDENSTEIN
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Ein Zeitzeugenbericht (Leserbrief aus der Windsheimer Zeitung vom 15./16.
April 1995)
Nachstehenden Brief hat die inzwischen verstorbene Anna Gleiß — sie wohnte
früher mit ihrem Mann Johann in der Rothenburger Straße in Burgbernheim — im
August 1945 an ihre damals in Leipzig wohnhafte Cousine Anna Botsch geschrieben.
Sie schildert darin ihre noch frischen Erinnerungen an das Kriegsende in
Burgbernheim. Iris Reuther aus Steinsfeld hat den Brief unserer Redaktion zur
Verfügung gestellt.
Burgbernheim, August 1945
Meine liebe Anna!
Wir sind nicht wert Aller Barmherzigkeit und Aller Treue, die der Herr an uns
getan hat. Mit diesem Lobpreis will ich heute meinen Brief beginnen. Der liebe
Gott hat uns bisher beschützt und haben noch unser Heim, wo soviele Menschen
nicht wissen wo sie übernachten sollen. Nun will ich Dir schildern, wie der
Krieg über uns hinweggegangen ist. Der 14., 15. und 16. April wird uns
unvergeßlich bleiben. Einen Tag zuvor waren die feindlichen Panzer schon in
Bergtshofen, zogen sich aber seitwärts nach Mörlbach, Langensteinach. Es war
wieder Ruhe. Am 14. April stieß ein Panzer vor bis Burgbernheim. Vorn an der
Herrenscheune stand ein Panzer vier bis fünf Stunden und ein Aufklärer flog
über uns hin und her, ganz tief und ganz langsam. Es wurde einem recht
unheimlich. Im Dorf war kein deutscher Soldat. Jedoch im Wald hatten sie sich
angesammelt und ihre Stellung genommen. Die Amis hatten ihre Stellung zwischen
Burgbernheim und Hochbach und so wurde hin und her geschossen. 6 Granaten haben
ganz in unserer Nähe eingeschlagen. Eine im Doktorgarten, eine im Langsgarten,
zwei drüben an der Bahn und die anderen im Feld ganz nah. Da kam mein
Geburtstag der 15. April. Mittag 1 Uhr war Frau Wittig bei uns. Da kam Marta und
weinte, sagte Mutter geh heim, die Amerikaner kommen in Schützenlinie, lauter
Infanterie. Sie ging heim und ich war neugierig und ging in die Schlafstube und
sah schnell zum Fenster naus, und schon flogen die Glassplitter und die Kugel
haarscharf an meinem Ohr vorbei in die Wand, gerade in Kopfhöhe. Ich legte mich
auf den Boden und krabbelte raus in die Küche. Wir trauten nicht mehr im Keller
und setzten uns ins Sofa. Dann gings los. In der Wohnstube schossen sie die
große Figur vom Vertiko, den Spiegel durch das Holz in die Wand, zur Haustür
rein in die Speise. Die Kugel blieb im Schränkchen stecken. Das untere Dorf
wurde im Sturm genommen, da jedoch kein deutscher Soldat im Dorf war und kein
Gegenschuß fiel, wurde es ruhiger. Wir hätten so gerne die weiße Fahne
nausgehängt, vom Bahnhof rein kam SS. Dann hätten unsere das Dorf
zusammengeschossen. Nachts lagen wir im Keller. Es fiel ein Schuß nach dem
anderen. Artillerie. Den 16. hatte Bürgermeister den Ort übergeben. Noch eine
Stunde, dann stünde nichts mehr von Burgbernheim. Die Amis wären mit Fliegern
gekommen. Es wurde bekannt gegeben die weiße Fahne zu hissen. Die Amis hatten
den Polizeidiener mit dem Auto rumgefahren, damit die Fahnen schnell
hinausgehängt werden. Nun war es uns ganz leicht ums Herz, wir wußten es wird
nicht mehr geschossen. Wir blieben dennoch nachts im Keller, nur Johann blieb in
der Küche. Am anderen Früh halb sechs kamen zwei Amis. Es kommt Militär, die
untere Wohnung frei machen. Alles oben nauf. Es warn ja bloß wir zwei. Die
Betten hatten wir noch im Keller und die ganze Wäsche und Kleider auch. Möbel
hatten wir drinlassen können. Sie sagten nur auf einen Tag frei machen. Dann
kamen sie angefahren mit Auto zum Hoftor rein und es strömten lauter Amis. In
der Wohnstube wurde ein Telefon eingerichtet, bis abends waren sie alle wieder
weg und nur der Dreck blieb da. Sie waren aber alle sehr anständig. Nun haben
wir die Zeit nach dem Kriege. Ich muß immer wieder denken, mich hat der liebe
Gott besonders in Schutz genommen, da doch die Kugel am Kopf vorbeiflog. Nun
will ich mich bemühen diesen Brief mit Rückwanderern oder mit Soldaten
wenigstens nach Sachsen befördern zu lassen. Gute Menschen sorgen, daß er
wieder weiter kommt. Und nun, wenn wir auch von Dir liebe Anna mit Schwester
Ella ein Lebenszeichen erhalten würden. Seid beide herzlich gegrüßt von uns
beiden.
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