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Burgbernheimer im Bauernkrieg

(Auszug aus dem Buch:  Der Deutsche Bauernkrieg von Friedrich Engels, Leipzig 1875, Seite 114 ff.)

Nachdem er so mit den Odenwäldern, Neckartalern und Niederfranken fertig geworden, pazifizierte der Truchseß durch Streifzüge, Verbrennung ganzer Dörfer und zahllose Hinrichtungen die ganze Umgegend und zog dann gegen Würzburg. Unterwegs erfuhr er, daß der zweite fränkische Haufe unter Florian Geyer und Gregor von Burgbernheim bei Sulzdorf stand, und sofort wandte er sich gegen diesen.

Florian Geyer, der seit dem vergeblichen Sturm auf den Frauenberg hauptsächlich mit den Fürsten und Städten, namentlich mit Rothenburg und  dem Markgrafen Kasimir von Ansbach, wegen ihres Beitritts zur Bauernverbrüderung unterhandelt hatte, wurde durch die Nachricht der Königshofener Niederlage plötzlich abgerufen. Mit seinem Haufen vereinigte sich der ansbachsche unter Gregor von Burgbernheim. Dieser Haufe hatte sich erst neuerdings gebildet. Der Markgraf Kasimir hatte in echt hohenzollerscher Weise den Bauernaufstand in seinem Gebiet teils durch Versprechungen, teils durch drohende Truppenmassen im Schach zu halten gewußt. Er hielt vollständige Neutralität gegen alle fremden Haufen, solange sie keine ansbachschen Untertanen an sich zogen. Er suchte den Haß der Bauern hauptsächlich auf die geistlichen Stifter zu lenken, durch deren schließliche Konfiskation er sich zu bereichern gedachte. Dabei rüstete er fortwährend und wartete die Ereignisse ab. Kaum war die Nachricht von der Schlacht bei Böblingen eingetroffen, als er sofort die Feindseligkeiten gegen seine rebellischen Bauern eröffnete, ihnen die Dörfer plünderte und verbrannte und viele von ihnen hängen und niedermachen ließ. Die Bauern jedoch zogen sich rasch zusammen und schlugen ihn, unter Gregor von Burgbernheim, am 29. Mai bei Windsheim. Während sie ihn noch verfolgten, erreichte sie der Ruf der bedrängten Odenwälder, und sofort wandten sie sich nach Heidingsfeld und von dort mit Florian Geyer wieder nach Würzburg (2. Juni). Hier ließen sie, stets ohne Nachricht von den Odenwäldern, 5.000 Bauern zurück und zogen mit 4.000 Mann - der Rest war auseinandergelaufen - den übrigen nach. Durch falsche Nachrichten über den Ausfall der Schlacht bei Königshofen sicher gemacht, wurden sie bei Sulzdorf vom Truchseß überfallen und total geschlagen. Wie gewöhnlich richteten die Reiter und Knechte des Truchsessen ein furchtbares Blutbad an. Florian Geyer hielt den Rest seiner Schwarzen Schar, 600 Mann, zusammen und schlug sich durch nach dem Dorf Ingolstadt. 200 Mann besetzten die Kirche und den Kirchhof, 400 das Schloß. Die Pfälzer hatten ihn verfolgt, eine Kolonne von 1.200 Mann nahm das Dorf und zündete die Kirche an; was nicht in den Flammen unterging, wurde niedergemacht. Dann schossen die Pfälzer Bresche in die baufällige Mauer des Schlosses und versuchten den Sturm. Zweimal von den Bauern, die hinter einer inneren Mauer gedeckt standen, zurückgeschlagen, schossen sie auch diese zweite Mauer zusammen und versuchten dann den dritten Sturm, der auch gelang. Die Hälfte von Geyers Leuten wurde zusammengehauen; mit den letzten zweihundert entkam er glücklich. Aber sein Zufluchtsort wurde schon am nächsten Tage (Pfingstmontag) entdeckt; die Pfälzer umzingelten den Wald, in dem er versteckt lag, und hieben den ganzen Haufen nieder. Nur 17 Gefangene wurden während dieser zwei Tage gemacht. Florian Geyer hatte sich mit wenigen der Entschlossensten wieder durchgeschlagen und  wandte sich nun zu den Gaildorfern, die wieder an 7.000 Mann stark zusammengetreten waren. Aber als er hinkam, fand er sie, infolge der niederschlagenden Nachrichten von allen Seiten, größtenteils wieder aufgelöst. Er machte noch den Versuch, die Versprengten in den Wäldern zu sammeln, wurde aber am 9. Juni bei Hall von Truppen überrascht und fiel fechtend.

Der Truchseß, der schon gleich nach dem Sieg von Königshofen den Belagerten auf dem Frauenberg Nachricht gegeben hatte, rückte nun auf Würzburg. Der Rat verständigte sich heimlich mit ihm, so daß das bündische Heer in der Nacht des 7. Juni die Stadt nebst den darin befindlichen 5.000 Bauern umzingeln und am nächsten Morgen in die vom Rat geöffneten Tore ohne Schwertstreich einziehen konnte. Durch diesen Verrat der Würzburger "Ehrbarkeit" wurde der letzte fränkische Bauernhaufe entwaffnet und sämtliche Führer gefangen. Der Truchseß ließ sogleich 81 enthaupten. Hier in Würzburg trafen nun nacheinander die verschiedenen fränkischen Fürsten ein; der Bischof von Würzburg selbst, der von Bamberg und der Markgraf von Brandenburg-Ansbach. Die gnädigen Herren verteilten unter sich die Rollen. Der Truchseß zog mit dem Bischof von Bamberg, der jetzt sofort den mit seinen Bauern abgeschlossenen Vertrag brach und sein Land den wütenden Mordbrennerhorden des bündischen Heeres preisgab. Der Markgraf Kasimir verwüstete sein eigenes Land. Deiningen wurde verbrannt; zahllose Dörfer wurden geplündert oder den Flammen preisgegeben; dabei hielt der Markgraf in jeder Stadt ein Blutgericht ab. In Neustadt an der Aisch ließ er achtzehn, in Bergel dreiundvierzig Rebellen enthaupten. Von da zog er nach Rothenburg, wo die Ehrbarkeit bereits eine Kontrerevolution gemacht und Stephan von Menzingen verhaftet hatte. Die Rothenburger Kleinbürger und Plebejer mußten jetzt schwer dafür büßen, daß sie sich den Bauern gegenüber so zweideutig benommen, daß sie ihnen bis ganz zuletzt alle Hülfe abgeschlagen, daß sie in ihrem lokalbornierten Eigennutz auf Unterdrückung der ländlichen Gewerbe zugunsten der städtischen Zünfte bestanden und nur widerwillig die aus den Feudalleistungen der Bauern fließenden städtischen Einkünfte aufgegeben hatten. Der Markgraf ließ ihrer sechzehn köpfen, voran natürlich Menzingen. - Der Bischof von Würzburg durchzog in gleicher Weise sein Gebiet, überall plündernd, verwüstend und sengend. Er ließ auf seinem Siegeszug 256 Rebellen hinrichten und krönte sein Werk, bei seiner Rückkehr nach Würzburg, durch die Enthauptung von noch dreizehn Würzburgern.


Nach Hupfer traten weitere Burgbernheimer als Anführer des Aischtaler Bauernhaufens in Erscheinung, so z. B. ein Münch (oder Mücher), ein Pfeffer und ein gewisser Kaiser aus Markt Bernheim. Gregor erlitt mit seinem Haufen am Pfingstsonntag 1525 bei Sulzdorf eine vernichtende Niederlage.

Über Burgbernheimer als Agitatoren im Bauernkrieg berichtet Superintendent Schmidt in seiner Chronik: Demnach schrieben Uffenheimer in einem Entschuldigungsbrief (an Markgraf Kasimir) : ...dass die Burgbernheimer (mehrfach) fragen ließen, ob sie (die Uffenheimer) nicht auch zu den Bauern ziehen wollten.

Nach der Niederschlagung durch Markgraf Kasimir musste Burgbernheim 1200 Gulden Strafe zahlen


Ortsbeschreibung des brandenburgischen Schultheißen Dornhöfer aus dem Jahr 1683

Anlass dazu war der Prozess mit Marktbergel. U. a. zählt er die öffentlichen Gebäude und die Hofstätten Burgbernheims auf:

»Eine große Kirchen zu St. Johannes genant. Eine Capellen außer dem Flecken uf dem Berg Zue St. Gangolf, welche öd. Ein öder plaz eine halbe stund vom Fleckhen, worauf eine Capellen St. Cünigunda genant, gestanden, wovon zwar kein stein mehr zu sehen ist. Eine Schuel ... Ein Rathhauß. Ein Thurn uf der aüßern Kirchmauren, worauff ein Kirchner wohnt, und die schlaguhr versiehet. Ein Roßmühl. Ein Badstuben. Daß Wiltbad, so 3/4 stund außer diesem Marckh in der Burgbernheimer Waldmarckhung liegt, ist der Zeit ganz öd und unbewohnt..., und befinden sich in dem Marekt 138 bewohnt- und 17 ungebaute herrschaftl. (=brandenburg-bayreuthische) Lehen und Hoffraithen...«. Außerdem gibt es nach Dornhöfers Aufstellung noch sechs bewohnte und fünf öde Lehen anderer Herrschaften. Insgesamt stehen also in Burgbernheim nach der Statistik des Schultheißen 144 bewohnte und 22 öde Hofstätten.

 (Anfang des 18. Jahrhunderts ist der Ort auf 188 Hofstätten angewachsen. In diesem Jahrhundert werden eine Reihe von Gebäuden neu errichtet, so das Schulhaus und das Pfarrhaus am Kapellenbergweg,)
( Stadtarchiv Burgbernheim, Akt 680 fol 5r-6r)

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